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Eselssohr, mei 2003
Simone Giesen

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Genesis in der Schule der Empfindsamkeit

Die kleinen und großen Parabeln der Bibel zu verdichten, ist eine beliebte schriftstellerische Unternehmung. Der niederländische (sic) Autorin Anne Provoost gelingt mit dem Roman Flutzeit, der die Arche-Noah-Geschichte beseelt, ein belletristisches Glanzstück.

Zusammen mit ihren Eltern zieht Re Jana aus ihrer Heimat, den Sümpfen, in die Steinwüste, wo der Alttestamentarische das Großreinemachen unter seinen Geschöpfen angeht. Noah stellt den Vater als kundigen Schiffsbauer in den Dienst des Projekts. Re Janas Begabung, Wasserquellen aufzuspüren, stößt im Staubtrockenen auf große Nachfrage. Sie wird die Geliebte von Ham, Noahs Jüngstem, dem bereits eine andere Frau bestimmt ist.

Während die Arche Form gewinnt, gären Zweifel unter den Arbeitern. Unvermeidbar, dass man argwöhnt, wer an Bord darf, wie die Gunst des Bauherrn zu erwerben sei. Da Unzählige rekrutiert wurden zur Fertigung eines schwimmenden Sarges, dessen Tote ironischerweise außerhalb seiner Wände gefangen sein werden. Denn wie das Pech die Fluten, weist Noah als personifizierter Wille des "Unnennbaren" ihre Leiber ab. Das Buch Provoosts, im Gegensatz zur Genesis, stellt infrage. Es legt dabei den Finger in Wunden, die bis heute klaffen: Konflikte zwischen Kulturen, das Toxische ideologischer Blendung etc. Ham gibt sich alle Mühe, Re Jana zu retten, doch der Hader mit den gottverordneten Windmühlen zermürbt ihn. "Sein Gott verstört ihn. Er will nicht akzeptieren, dass das Schiff, das er gebaut hat, für seine Traume zu klein ist." Ham taugt nicht als Rebell.

Es sind zuvorderst Frauen, die - zumindest diese - Geschichte schreiben; Re Janas erlahmte Mutter z.B., allein mit einem Auge noch kommunizierend, wird inmitten des Tohuwabohus zur willensstarken, generösen Märtyrerin. Aller Skepsis und düsterer Ahnungen ungeachtet kämpft die Ich-Erzählerin selbst für ihre Liebe, ihre Familie, den Jungen Put, der ihr trotz seiner Schwächen wie ein Bruder ans Herz wächst.

Die Apokalypse fordert erste Opfer, noch bevor sich die Schleusen öffnen. Der heimliche Protagonist des Romans, das Wasser, entfaltet seine kathartische Macht im Guten wie im Bösen; den sorgsamen Waschungen, mit denen Re Jana Wohlbefinden und Linderung besorgt, stehen Auslöschung und Tod gegenüber. Provoost besticht mit einer Symphonie von hochkarätigen Bildern und einer Sprachgewalt, die als poetisch schimmernde Gaze über der Erzahlung liegt. Aus der Mottenkiste Bibel mit ihren veräußerlichten Komparsen zaubert sie ein Ensemble lebendiger Empfindsamer hervor. Flutzeit bestätigt die Autorin einmal mehr als herausragende Virtuosin narrativer Inszenierung.

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